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ayanea

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Engelgeschichte im Historiengewand

Die Prophezeiung der Seraphim - Mascha Vassena

Eigentlich war ich richtig neugierig auf die Prophezeiung der Seraphim. Auf ein Heldengeschwisterpaar, der großen Liebe und ja, den Engeln. Zu meiner Freude sollte sich die gesamte Geschichte im alten Frankreich zu der Zeit von Ludwig den XVI. abspielen, denn ich mag es wenn Jugendbücher mal etwas anders sind und wie in diesem Fall als historischer Fantasyroman daher kommt.
Leider wurde ich dann zusehends genervter mit fortlaufender Handlung.

Julie wird 15 und muss ausgerechnet an ihrem Geburtstag erfahren, dass ihre Welt komplett aus den Fugen gerät. Sie erfährt, dass sie ein Adoptivkind ist, einen Zwillingsbruder hat und obendrein auch noch eine Seraphim ist. Eine Prophezeiung besagt, dass nur sie den bösen Engel Cal aufhalten kann, der die Menschheit unterjochen möchte.
Als dieser seine Schergen auf Julie und ihren Bruder Ruben hetzt, fliehen diese zusammen mit dem Grafensohn Nicolas, der noch eine offene Rechnung mit seiner verhassten Mutter hat und mit Julies Jugend- und Kinderfreund Fédéric.
Sie reisen nach Mont-Saint-Michel wo sie auf Cal zu treffen hoffen und somit die Prophezeiung erfüllen wollen.

Ja und wirklich mehr passiert in diesem Roman auch nicht. Über die gesamte Länge des Romanplot sind nun diese "Helden" auf dem Weg, auf der Flucht und müssen dabei diverse Gefahren hinter sich bringen. Mehrmals dachte ich mir: laaaaangweilig. Ich hatte nicht einmal das Gefühl unbedingt wissen zu wollen wie es weiter geht, noch verspürte ich auch nur den Hauch einer Spannung. Woran liegt das? Habe ich mich ein ums andere Mal gefragt und kam nach Beendigung des Romans zu der Erkenntnis, dass dies den für mich nervigen Charakteren geschuldet ist.

Die Hauptfigur Julie, die die Fäden in der Hand hält und ihre Männer anführt konnte ich absolut nicht leiden. Das ist eigentlich immer der Todesstoß für ein Buch, wenn mir seine Hauptfigur so unsympathisch ist. Julie besaß mir nicht genug Mitgefühl, wusste irgendwie immer alles besser und alle mussten nach ihrer Pfeife tanzen. Entscheiden zwischen Nicolas und Fédéric kann sie sich auch nicht. Wo ist die versprochene große Liebe, fragte ich mich mehrmals. Finden konnte ich sie nirgends. Da wurde mal der eine toll gefunden, im nächsten Atemzug fand man dann den anderen doch nicht mehr so attraktiv und am Ende wusste sie wahrscheinlich selbst nicht mehr ein noch aus. Was bei anderen Romanen mitunter glänzend aufgeht, hinterließ hier irgendwie einen faden Beigeschmack und nervte nur noch.

Ruben, der Zwillingsbruder fällt von einem Fettnäpfchen ins nächste und zieht damit mehrfach den Unmut seiner Schwester auf sich und ärgerte dabei nicht nur sie. Dabei wünscht sich Ruben doch nichts sehnlicher als Anerkennung zu finden. Wen wundert es da, das er sich zur dunklen Seite der Macht hingezogen fühlte?!
Nicolas und Fédéric blieben für mich auch viel zu blass. Eigentlich gab es keinen Charakter mit dem ich mich identifizieren konnte, oder den ich nur in Ansätzen sympathisch fand. Doch halt! Ich mochte Songe, die Wächterkatze. Aber die hat leider zu wenig Redeanteil im Roman.

Ich wurde das Gefühl nicht los einfach noch einen unausgereiften Roman vor mir zu haben. Mitunter fragte ich mich, ob ich was überlesen hatte, weil einige Details nicht genannt wurden, aber nach Nachlesen war klar, das dem nicht so war. So fragte man sich mitunter: wo ist nun die eine Person wieder hin? Was war mit ihr passiert? Oder da starb einer und Julie verschwendet keine große Zeit um ihm hinterher zu trauern. Absolut unrealistisch, unausgegoren.

Auch das historische Gewand kam mir viel zu kurz. Bis auf ein paar kleine Satzformulierungen oder Hinweisen hatte ich nicht wirklich das Gefühl im alten Frankreich zu sein. Die Geschichte hätte sich auch in unserer heutigen Zeit ereignen können. Alle diese Aspekte ließen bei mir wahrlich keine Lesefreude aufkommen, im Gegenteil: ich war wirklich sehr froh als die letzte Seite gelesen war und ich das Kapitel beenden konnte.
Schade eigentlich. Ich bin mir sicher: wem die Figuren zu sagen, der wird sicherlich seine Freude an diesem Engelsroman haben, meins war es leider so gar nicht.